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Wolfgang Kaus: „Der Flughafen ist ein nicht zu unterschätzendes Geschenk“

Foto: STUGRAPHO/Gerhard Pauly

Ob beruflich oder privat − für viele Menschen gehören Flugreisen einfach dazu. Wir haben Persönlichkeiten aus der Region über das Fliegen und den Flughafen gefragt. Hier antwortet Wolfgang Kaus, Schauspieler, Regisseur und langjähriger Künstlerischer Leiter des Volkstheaters Frankfurt.

Herr Kaus, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Flug?

Mein erster Flug war von Frankfurt nach Berlin mit der Pan Am, in der Zeit, in der die Rosinenbomber den Luftraum besetzten. Wir landeten auf dem alten Tempelhofer Flughafen, der direkt in der Stadt lag, das war natürlich sehr angenehm. Die Einreisebestimmungen waren sehr streng. Man musste erst einmal durch die Kontrolle der Militärregierung. Wir mussten viel Geduld mitbringen, bis wir durch die Schleusen der Berliner Polizei durchkamen. Trotzdem war der erste Flug über den Dächern von Berlin ein Erlebnis. Man konnte den Menschen direkt in ihre Wohnungen schauen, das habe ich so erst wieder später beim Anflug auf Hongkong erlebt. Wir mussten in Tempelhof noch zu Fuß über das Rollfeld gehen. Ich war damals häufiger in dieser schon besonderen Stadt, und die Alliierten, jetzt waren es ja nur noch drei, belieferten die Stadt mit Lebensmitteln. Der Weg mit dem Auto führte beschwerlich durch einen Teil der russischen Zone. In diesem Abschnitt durfte man nicht anhalten, und man freute sich, wenn man dann über die Stadtautobahn, die AVUS, Berlin erreichte.

Wohin sind Sie von Frankfurt aus das letzte Mal geflogen?

Zuletzt bin ich nach Miami geflogen, wo ich schon zu vielen Kreuzfahrten von Ford Lauderdale aus aufgebrochen bin. Davor etliche Male nach Toronto, dort lebt eine Schwester von mir. Ihr Ehemann, ein Schweizer, hat aus beruflichen Gründen innerhalb Kanadas und den USA sehr oft umziehen müssen. Dadurch wurde mir der ganze amerikanische Kontinent eröffnet. Bei einer dieser Reisen mit meiner Mutter kam es durch einen Streik bei der Air Canada zu einem nicht geplanten Zwischenaufenthalt und Übernachtung in Chicago. Am nächsten Morgen sollten wir unser Ziel Winnipeg erreichen. Die Kontrollen am Chicago O`Hare Flughafen waren damals schon sehr streng und alle Passagiere mussten ihre Koffer öffnen. Ausnahmslos alle! Je näher wir zu den Zollbeamten kamen, umso nervöser wurde die Mutter. Was auch nicht verwunderlich war: In unserem Koffer waren 50 Päckchen Backpulver, 100 Päckchen Vanillezucker, 20 Päckchen Lucullus (Tortenguss), alles wohlverpackt in kleinen Tüten. Dies war unser Mitbringsel für meine Schwester, in Kanada gab es damals noch keine kleinen abgepackten Dosierungen. So stehen Mutter und ich mit unserem Gepäck vor der Zollbeamtin. Auf sie haben wir wohl den Eindruck von Maria und Josef auf der Flucht gemacht. Als wir drankamen, sagte ich mein englisch-deutsches Sprüchlein: „Air Canada is on strike, we have to stay overnight und tomorrow we have to go over Greenbay und Duluth am Michigansee nach Winnipeg.” Sie sah uns mit strenger Miene an und sagte: „Have a good time in the States“. Wir waren völlig perplex und nebenbei die einzigen, die nicht kontrolliert wurden. Ich sage meiner Mutter, die gar nicht alles sofort erfasste: „Mudder weitergehn, zusammbreche da drübbe!“ Der Schreck sitzt mir bis heute noch in den Knochen. Was hätten wir gemacht, wenn sie unser „Mitbringsel“ entdeckt hätte?

Ihr Lieblingsort auf der Welt, den Sie schon gesehen haben?

Das ist eindeutig eine kleine Antilleninsel nahe St. Vincent und heißt : Bequia. Die Insel ist weitgehend unbekannt, außer bei Seglern, die sich hier ihre Erlaubnis zum Segeln in der Karibik abholen. Die Insel liegt eine Flugstunde von Barbados entfernt. Der Aufenthalt damals war ein Traum, nicht nur an Silvester unter dem karibischen Himmel mit über 2.000 singenden Kreolen und fünf Europäern am Strand. Gänsehaut pur. Auf die Flugzeiten konnte man sich nicht so ganz verlassen. Mein Rückflug über Bridgetown war für die Mittagszeit geplant. In der Nacht kam ein Anruf: Das Flugzeug startet früher! Boarding Time 5.00 Uhr. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Alle Flüge von Bequia aus sind LIAT-Flüge, was so viel heißt, wie „Leave Island any time“, oder in unserem Sprachgebrauch: „Grad wie’s passt!“ Tatsächlich war der Abflug der kleinen Propeller-Maschine erst gegen Mittag. Bis dahin warteten wir in der kleinen Wartehalle. Diese ist geschmückt mit großen Städtepostern aus der ganzen Welt. Frankfurt ist auch vertreten. Mit dem verschneiten Weihnachtsmarkt auf dem Römer.

Ihr Lieblingsziel, an dem Sie noch nie gewesen sind?

Ich wollte immer einmal in die Südsee, Tahiti, Bora Bora, Roratonga, Fidschi. Leider ist mir dies nie gelungen. Ich war zwar zweimal auf Hawaii von Los Angeles aus, und war in Neuseeland von der anderen Seite aus, Auckland und Christchurch. Jetzt fehlt mir nur noch das kleine Stück von Auckland bis O‘ahu über die Südsee. Dann wäre ich: einmal um die ganze Welt!

Was mögen Sie am Frankfurter Flughafen besonders?

Für uns Frankfurter ist der Flughafen ein nicht zu unterschätzendes Geschenk. Es ist leicht, von allen Seiten anzukommen. Er liegt mitten im Zentrum der Region. Welcher internationale Flughafen ist in wenigen Minuten so erreichbar?

Was mögen Sie am Airport nicht?

Die langen Fußstrecken, die man machen muss. Man sollte auch mehr mobile Fahrzeuge für die Älteren einsetzen.

Ist der Flughafen Frankfurt für Sie persönlich wichtig, und warum?

Er ist der größte Arbeitgeber des Landes und gibt Frankfurt, über die imposanten Hochhäuser hinaus, ein internationales Flair. Man kennt Frankfurt nicht überall in der Welt. Aber den Flughafen Rhein-Main kennt man schon. Und ohne den Flughafen hätten wir weniger kulturelle Angebote.

Mit wem auf dem Flughafen würden Sie gern einmal tauschen?

Eigentlich mit niemanden. Jeder sollte seinen Job so machen, dass er das Optimale erreicht. Vielleicht mal im Cockpit mitfliegen und erstaunt sein – und sehen, was man mit all diesen Knöpfen macht. Das ist schon beeindruckend.

Wem würden Sie gern einmal begegnen?

Mir sind so viel bekannte Persönlichkeiten in meinem Leben begegnet, vom Dalaih Lama bis Gorbatschow. Ich freue mich über jeden, der mich lächelnd anguckt.

Welche drei Gegenstände nehmen Sie immer mit in den Flieger?

Etwas zu lesen, etwas zu schreiben, und die notwendigen (oder nicht notwendigen) Tabletten.